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Der Frosch im Brunnen ahnt nichts von der Weite des Meeres

 
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urbi



Anmeldedatum: 24.02.2009
Beiträge: 26
Wohnort: urbanstr.




BeitragVerfasst am: 21.10.2010, 15:19    Titel: Der Frosch im Brunnen ahnt nichts von der Weite des Meeres

Im kürzlich veröffentlichten Jahresbericht 2009 des Nachbarschaftshauses

http://www.nachbarschaftshaus.de/uploads/media/Jahresbericht_2009.pdf

steht der Bericht des Stadtteilmanagements GEKKO-Düttmann-Siedlung
unter der Überschrift

Partizipation statt Isolation

Oder: Der Frosch im Brunnen ahnt nichts von der Weite
des Meeres

Am Ende des Berichtes steht ein Absatz den ich mehrere Male lesen musste:


Partizipativ und/oder attraktiv?
„Wohnungen im Herzen des attraktiven Graefe-Kiezes in kinderfreundlicher
Umgebung mit Angeboten für Jung und Alt
durch das Nachbarschaftshaus“, so präsentiert die Hausverwaltung
ca. 100 leerstehende sanierte Wohnungen in der
Düttmann-Siedlung auf dem Wohnungsmarkt. Die Sanierung
der größten Wohnanlage im geförderten Gebiet war die sichtbarste
Veränderung im Jahre 2009. Der lang erwünschte
Ausbau der Nachtspeicherheizungen, der Einbau von Zentralheizungen
und die Warmwasserversorgung über das Fernwärmeheizwerk
Neukölln beeinflusste jede/n MieterIn, da die
Firmen wochenlang Zugang zu den Wohnungen benötigten.
Die Lotsen unterstützten dieses Vorhaben, indem sie bei jeder
Mietpartei eine Einwilligung einholten. Im November wurde
das Ende der Bauarbeiten mit einem großen Fest auf dem
Werner-Düttmann-Platz gefeiert, das von den Kiezlotsen und
dem Stadtteilmanagement organisiert und von Baufirmen
und der Hausverwaltung unterstützt wurde. Die interkulturelle
Attraktion auf der Bühne war der Hausmeister der Siedlung
samt Männerchor.
Der hohe Wohnungsleerstand ist jedoch nicht widerspruchsfrei
hinzunehmen. Mit der Attraktivität der Wohnungen möchte die Hausverwaltung auch die Attraktivität der Bewohner-Innen steigern. Anstelle der von ALG-II abhängigen Familien
sind SelbstzahlerInnen erwünscht; anstelle von Großfamilien
WG’s, anstelle von MieterInnen ohne Integrationsperspektiven...


...Mieterinnen mit Integrationsperspektiven - möchte ich eigentlich selbstverständlich ergänzen.
Es war für mich eine der wenigen positiven Lokal-Nachrichten, daß wieder WG's in die Düttmann Siedlung ziehen. Haben WG's nicht größeres Integrationspotential als Großfamilien ?
Nachdem in den 90iger Jahren die Ghettoisierung der Düttmann-Siedlung weder von den Eigentümern noch von den Sozialämtern oder politischen Entscheidern behindert wurde, wird nun versucht das Ghetto zu schützen ?
(Wobei der Begriff Ghetto sowohl bei der Selbstwahrnehmung der Bewohner der Düttmann-Siedlung als auch bei der Fremdwahrnehmung der Siedlung durch die Anwohner außerhalb benutzt wird.)
Ich erinnere mich gut, daß bei einem der Vorbereitungstreffen für den Quartiersrat vor 2 Monaten einer der Bewohner seine Freude darüber äußerte, daß auch deutschsprachige Selbstzahlerfamilien wieder in die Siedlung ziehen - und in den Quartiersrat.
Das Selbstverständnis des Quartiersmanagements der sozialen Stadt, finde ich, kann nicht widerspruchsfrei hingenommen werden.
Oder ?
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urbi



Anmeldedatum: 24.02.2009
Beiträge: 26
Wohnort: urbanstr.




BeitragVerfasst am: 26.10.2010, 15:58    Titel: Teilhaberei und Rechthaberei

die bedrohliche Gegenüberstellung

Partizipation statt Isolation
und
Partizipativ und/oder attraktiv?

lässt mich als geborenen Alt-Kreuzberger natürlich aufhorchen. In dem Bewußtsein zum Komplex Partizipation vieleicht über einen gewissen Erfahrungshorizont zu verfügen ein kurzer Rückblick:
Einige können sich vieleicht noch erinnern, das Gesamte Gelände - Urban/Ecke Gräfestr. befand sich seit Anfang 2000 mehrere Jahre lang in einem absolut desolaten Zustand. Die Grünflächen vermüllt, das Haus Urbanstr. 44 in dem in den 90igern noch ein Jugendfreizeitheim tätig war, nun dunkel und geschlossen, das völlig zerschossene Zaungehege des Bolzplatzes schon lange schrottreif, das permanente Geschepper des Schrottzaunes wenn Fußbälle gegen ihn prallten, immer unerträglicher.
Es gab zu dieser Zeit keinen der sich zuständig erklärte, denn das Gelände+Haus44 wurde vom Liegenschaftsamt 'notverwaltet' (und wird es wohl immer noch). Man hatte keine Ahnung was damit zukünftig geschehen sollte.
Ich hatte mehrere Telefonate mit Frau Matzdorf vom Liegenschaftsamt und erst als ich von dem mittlerweile ohne Übertreibung lebensbedrohlichen Zustand des Zaunes berichtete wurde er immerhin provisorisch geflickt.
Dies alles zu einer Zeit als sozialpädagogische Betreuungsarbeit in einem kippenden Quartier mit überdurchschnittlich vielen Jugendlichen und Kindern dringend notwendig gewesen wäre.
Markus Runge lieferte in der Einleitung einer Dokumentation seiner Aktivierenden Befragung in der Düttmann-Siedlung 2005 erstmalig ein paar Fakten zur Situation:

….Die Politik war nur sehr mühsam und entsprechend kleinteilig zu bewegen, sich für die BewohnerInnen und ihre Anliegen einzusetzen…..
…….90% der BewohnerInnen sind nach Schätzungen der Hausverwaltung Menschen mit Migrationshintergrund. Ein hoher Anteil von ihnen kommt aus arabisch-sprachigen Ländern, aus der Türkei und Ex-Jugoslawien. Etwas weniger als die Hälfte aller BewohnerInnen hat die deutsche Staatsbürgerschaft.
In der Siedlung wohnen besonders viele Großfamilien und nur wenige Alleinstehende. Etwa ein Drittel der BewohnerInnen sind Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre.
Ebenfalls einer Schätzung der Hausverwaltung zufolge erhalten etwa 80% der BewohnerInnen Transferleistungen.


Anfang der 80er Jahre galt die Düttmann Siedlung als geglücktes Beispiel des gehobenen sozialen Wohnungsbaus. Attraktive Wohnungen, interessanter Dorfcharakter, dabei gute Infrastruktur, und eben selten gute Lage direkt gegenüber der Hasenheide.
Einige Freunde und Bekannte haben dort gewohnt, Menschen mit Job und ohne Job, Ältere alleinstehende Menschen und größere Familien, deutsch oder nichtdeutsch war kein Thema.
Viele sind weggezogen, zuerst weil die Mieten nicht mehr angemessen erschienen, dann auch weil der Anteil der Problemfamilien immer größer wurde und die damit verbundene soziale Dynamik immer weniger anregte als aufregte.

Eine gründliche Analyse wie es zu dieser schleichenden Segregation, Entmischung, kommen konnte und ob sie nicht sogar gewollt war und wenn ja von wem steht immer noch aus.

Nun, 2005 wird es besser, das Haus44 wird wieder geöffnet es brennt Licht.
Ich hatte gleich zu Beginn mit Angelika Greis vom Q-Management ein paar Gespräche, in denen ich ihr meine Sorgen und die der Mieter in meinem Haus mitteilte aber auch die Hoffnungen, die wir mit der Einrichtung eines Quartiersmanagement verbanden.

Angelika lud mich ein beim Quartiersrat mitzumachen, was ich auch sehr gerne getan hätte, wenn die Treffen nicht vormittags stattgefunden hätten.
Ich dachte auch, dass es nicht besonders hinderlich wäre an den Treffen nicht regelmäßig teilzunehmen, da die Protokolle über die Aktivitäten des Quartiersrates sicherlich Online nachzulesen wären.
Nach ein paar Monaten war ich dann nur noch im sogenannten Vertreterpool des Quartiersrates und schließlich war ich völlig draußen und bekam auch keine Mails mehr.
Leider stand kein einziges Interesse entfachendes Protokoll des Rates zum Download bereit. Weder Themenübersichten und Arbeitsergebnisse, noch Beschlüsse über Projektförderungen oder gar strittige Punkte aus den vergangenen 4 Jahren konnten nachgelesen werden.
Nach der letzten Quartiersratwahl vor 2 Monaten befinde ich mich momentan wieder im Vertreterpool (sind wahrscheinlich nicht mehr als 2 Stimmen zusammengekommen) und warte auf meine Beförderung....
So richtig partizipativ erscheint mir diese Form von streng durchreguliertem Quartiers-Miniparlament also von Anfang an keineswegs. Irgendwie aufgestülpt und geheimniskrämerisch...


wird fortgesetzt (fällt mir gar nicht leicht darüber zu schreiben, auf welcher Seite bin ich denn, welche Seiten gibt es überhaupt...)
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urbi



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Beiträge: 26
Wohnort: urbanstr.




BeitragVerfasst am: 31.10.2010, 16:15    Titel: Wohnen und teilhaben

Wohngemeinschaften
oder
Wer wohnt denn in der Siedlung nicht

In der Siedlung wohnen lange nicht mehr die Besitzer mit ihren Betten
die Besitzer sind jetzt 6 Kommanditgesellschaften und wohnen nirgendwo
In der Siedlung wohnen nicht die immer neuen Verwalter mit ihren Frisuren
die für die stets wechselnden Siedlungsverwaltungen arbeiten
die für die entpflichteten Kommanditgesellschaften arbeiten
und darüber entscheiden wer in der Siedlung wohnen darf
Wohnen die Hauswarte mit ihren Universalschlüsseln die für die Verwalter arbeiteten noch in der Siedlung ?

In der Siedlung wohnen die Journalisten nicht die täglich über die Siedlung berichten.
In der Siedlung wohnen die Abgeordneten nicht die regelmäßig darüber beraten wie es mit der Siedlung weiter geht.
In der Siedlung wohnen die Sachbearbeiter vom Wohnamt nicht die zuteilen wer in der Siedlung wohnen wird und wer nicht.
Auch der Kontaktbereichsbeamte mit seiner Uniform der sich um den Straßenfrieden kümmern sollte will keinesfalls in der Siedlung wohnen.
Keine Richter mit ihren Familien wohnten jemals in der Siedlung und sorgten für alltägliche Gerechtigkeit.
Ein Pfarrer wohnte niemals in der Siedlung unter den Benachteiligten und stand ihnen bei.
Die LehrerInnen an den Schulen für die Kinder der Siedlung wohnen schon lange lieber außerhalb im Grünen.
Die SozialarbeiterInnen die gelegentlich die BewohnerInnen der Siedlung befragen wie es ihnen geht wohnen woanders nicht weit entfernt.
Die WissenschaftlerInnen die mit den Ergebnissen der SozialarbeiterInnen arbeiten und darüber Bücher schreiben besuchen die Siedlung nicht und werden hier nie wohnen.

Die Alten und ihre Erzählungen wohnen hier nicht mehr und die Klugen sind gegangen.
Sogar die QuartiersmanagerInnen des Quartiersmanagements des Programms der sozialen Stadt bewohnen abends andere Quartiere als die geförderte Siedlung.
Es heisst das Programm der sozialen Stadt selbst zieht in 3 Jahren wieder aus - vielleicht auch schon in 2 Jahren falls der Verkehrsminister kein Geld mehr gibt weil er Autobrücken bauen muss.
Ob die Nachhaltigkeit und die Verstetigung als Nachmieter in der Siedlung wohnen möchten muss abgewartet werden.
Der Mut jedenfalls wurde immer wieder vor der Tür gesehen, er wohnt wohl immer noch zur Untermiete bei der Ratlosigkeit im Erdgeschoss und will bleiben - die Miete ist ja günstig.....

reformerische Grüße
urbi
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martin breger



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Beiträge: 95
Wohnort: graefestr




BeitragVerfasst am: 23.07.2011, 10:13    Titel: Graefe-Kiez wehrt sich gegen Ausgrenzung

Graefe-Kiez wehrt sich gegen Ausgrenzung


MieterEcho online – 11.07.2011
Graefe-Kiez wehrt sich gegen Ausgrenzung

Im Kreuzberger Graefe-Kiez protestiert eine Initiative gegen die Wohnungspolitik des rot-roten Senates.
siehe den Artikel von Christian Linde
http://www.bmgev.de/mieterecho/mieterecho-online/graefe-kiez.html

Nächster Termin der Mieten Ag im Graefekiez ist

Montag 1.8.11 um 19.00

in der Weltküche Graefestr.18
Email: mieten-ag@graefe-kiez.de
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